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"Lassen Sie uns Schwäche als Stärke erleben und das feiern. Lassen Sie uns misstrauisch werden wenn Botschaften zu einfach werden"

von Christina Müller

Peter Spuhler predigte am Dienstag, 11. April im Rahmen der Reihe "Die Kraft des Wortes" in der Evangelischen Stadtkirche

(Karlsruhe, 12. April 2017) Dass Worte große Kraft und große Bedeutung haben weiß Peter Spuhler. Der Generalintendant des Badischen Staatstheaters Karlsruhe hat täglich mit Worten, Sätzen und Texten zu tun und mit deren Inszenierung. In den Aufführungen wirken sie bei den Besuchern, regen zum Nachdenken an und prägen sich ein. Gestern Abend predigte Peter Spuhler im Gottesdienst im Rahmen der Reihe "Die Kraft des Wortes" in der fast voll besetzen Evangelischen Stadtkirche am Marktplatz.

"Das Wort Gottes und seine Kraft spielt eine große Rolle im Leben von Christen. Wir stellen das Wort in die Mitte und setzen es dem Leben aus", betonte Thomas Schalla, Dekan der Evangelischen Kirche in Karlsruhe, zu Beginn. Peter Spuhler sei ein Phänomen. Als gelernter Dramaturg habe er viel Erfahrung mit Worten, er sei bekannt als umtriebiger 'Vernetzer', der Aufbruchstimmung erzeugen könne. In der Stadt sei er eine wichtige Person dessen Ziel es ist ein offenes Theater zu haben, mit niedrigen Zugangsschwellen und offen für alle Schichten. Und er sei offen für Neues, habe Politik ins Staatstheater geholt, zu Podiumsdiskussionen eingeladen, das Thema Flüchtlinge aufgegriffen und sie auf die Bühne geholt. Für die Evangelische Landeskirche in Baden engagiert er sich als Landessynodaler.

Biblische Worte sind dem 52jährigen wichtig und er stellte Worte aus der Bergpredigt  in den Mittelpunkt seiner Predigt. "Die Bergpredigt bewegt mich sehr, sie ist einerseits leicht aber andererseits auch schwer zu verstehen", so Spuhler. "Ihr habt gehört, dass gesagt ist "Auge um Auge, Zahn um Zahn." Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Bösen sondern: Wenn dich jemand auf seine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar", las er aus dem 5. Kapitel des Matthäusevangelium vor, in dem Jesus "Vom Vergelten" spricht. Der Mensch stehe hier in einem Spannungsfeld. Er sei zu Großem fähig, sei großartig, er könne aber auch  vernichten und zerstören, zum Beispiel die Schöpfung, sei mitunter auch schrecklich und ungeheuerlich. "Das wird in der Tragödie "Antigone" von Sophokles, die gerade am Staatstheater aufgeführt wird, deutlich", führte er aus. Antigone widersetzt sich ihrem Onkel Kreon, der gesetzlich verboten hat dass ihr Bruder, Polyneikes, bestattet wird. Der Onkel hat es verboten weil weil Polyneikes Krieg gegen die Stadt geführt hat. Antigone bestattet ihren Bruder selbst, wird von ihrem Onkel zum Tode verurteilt und von ihm lebendig eingemauert.

Aufgeschreckt sei er durch die Nachrichten vom Giftgasangriff in Syrien gewesen. "US-Präsident Trump hat darauf mit einem Raketenangriff reagiert und ich ertappte mich dabei Gedanken zu haben wie "Richtig so, da hat jemand gehandelt". Aber der Gedanke kam und mir war klar, dass das nicht sein darf." Dürfe Gewalt ausgeübt werden um Schlimmeres zu verhindern? War das eine gute Handlung oder nicht? – Diese Fragen seien ihm durch den Kopf gegangen und er habe sich gefragt ob das, was Jesus in der Bergpredigt fordert, den Menschen nicht zuviel abverlange. "Will Jesus uns dadurch zur Passivität verleiten? Warum dürfen wir uns nicht wehren?" Der Text aus der Bergpredigt mache es komplizierter. Es sei kompliziert die andere Wange hinzuhalten, verdammt schwer gewaltfreien Widerstand zu leisten. Es koste viel Kraft sich in solchen Situationen zu verhalten wie es die Bibel empfiehlt, es führe jedoch zur Besonnenheit. In der Tragödie "Antigone" fühle er sich emotional zu der Frau hingezogen. Hat sie das Recht gegen Gesetze zu verstoßen, die damals galten? Sie tut es.

"Es gibt komplizierte Geschichten in der Welt und seien wir froh, dass sie kompliziert sind und uns Anleitung geben. Was ihm Sorgen mache sei die Welt, wie sie sich aktuell zeigt. Lassen Sie uns Schwäche als Stärke erleben und das feiern. Lassen Sie uns misstrauisch werden wenn Botschaften zu einfach werden", appellierte er und bezog das nicht nur auf die Politik. "Liebe und Barmherzigkeit werden in "Antigone" vor das Gesetz gestellt und die Aufforderung in der Bergpredigt: alles was ihr von anderen erwartet das tut auch ihnen, fasziniert mich und ist und wichtig für mich", schloss Peter Spuhler seine Predigt.
Für seine klaren und verständlichen Worte erhielt er zweimal langen Applaus und viele Gottesdienstbesucher blieben auch noch zum anschließenden Talk, den Albert Käuflein, Leiter des Roncalli-Forum, moderierte. Hier gab es die Möglichkeit noch einmal Fragen an den Intendant des Staatstheaters zu stellen und mit ihm ins Gespräch zu kommen.


Der nächste Gottesdienst im Rahmen der Reihe "Die Kraft des Wortes" findet am Dienstag, 9. Mai statt. Dr. Klaus Gaßner, Leiter der Gesamtredaktion der Badischen Neuesten Nachrichten, Karlsruhe, predigt in der katholischen Stadtkirche St. Stephan. Beginn des Gottesdienstes ist um 18.00 Uhr.

Die Evangelische Kirche in Karlsruhe, die Katholische Kirche Dekanat Karlsruhe, die Evangelische Erwachsenenbildung Karlsruhe, das Bildungszentrum Karlsruhe (Bildungswerk der Erzdiözese Freiburg) und das Roncalli-Forum Karlsruhe (Bildungswerk der Erzdiözese Freiburg) laden zu der Reihe "Die Kraft des Wortes" gemeinsam ein.

Die Predigt von Peter Spuhler können Sie hier nachlesen und herunterladen (PDF-Datei). 

 

Foto: Tobias Tiltscher

Foto: Tobias Tiltscher

Foto: Joachim Faber


Autorin: Christina Müller, Öffentlichkeitsarbeit, Evangelische Kirche in Karlsruhe


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