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Zitate aus der Kinderklinik:

 

„Diesen Ostermontag werde ich nie vergessen!“

„Gerade hatten wir noch so schön Kommunion gefeiert...“

„Ich hatte am Tag davor mein Referat über das Buch  'Das Schicksal ist ein mieser Verräter' gehalten – und dann das!“

So oder ähnlich äußern sich Eltern und betroffene Jugendliche nachdem sie die Diagnose „Krebs“ erhalten haben. Manchmal werden diese Sätze wie ein Mantra wiederholt. Sie können es nicht glauben/fassen, was da passiert. Die Welt gerät aus den Fugen, das Leben wird von einem Tag zum andern vollkommen auf den Kopf gestellt. 

Was hilft? Eigentlich kann man nur bestätigen, dass es unglaublich, unfassbar, nicht auszuhalten erscheint, was doch bittere Realität ist, sich zwar über unterschiedliche Begriffe (diese Krankheit hat viele Gesichter) definiert und in verschiedene Behandlungsschritte (OP, Chemo, Bestrahlung) mündet, aber unterm Strich doch im Raum steht: Es ist Krebs – und damit verbindet sich sofort der Gedanke an den Tod.

Dieser Gedanke darf gedacht werden, man kann ihn nicht „ausreden“ – aber einiges dagegenhalten. In der Klinik wird alles darangesetzt, dass Kinder und Jugendliche wieder gesund werden. Sprich: Wir gehen erst mal alle davon aus. Und Hilfen für die ganze Familie in dieser Zeit gibt es viele.

Eine davon ist die Klinikseelsorge – genannt: „Zur Zeit dieFrau von der Kirch’“.

Neben Spielen, Witze erzählen, Vorlesen, Filme mitbringen und mitgucken hat sie natürlich noch eine besondere Aufgabe – die Sache mit Gott nahezubringen, zu erklären, oder ihn sozusagen „zu vertreten“.

Ein Satz dazu beim Verabschieden im Krankenzimmer: „Ich drücke dir die Daumen, du weißt schon, auf meine Weise“ – Ich falte die Hände, alle wissen, das heißt: „Ich bete für dich, - und für viele andere auch“. 

Frage eines Kindes: „Wann machst du das?“ – „Wenn ich ins Bett gehe. Ihr kommt alle mit hinein in mein Abendgebet. Das kann manchmal lange dauern, bis ich einschlafe...“

Am nächsten Tag überrascht mich die Frage: „Wie lange hast du gestern gedrückt?“

 

Aber auch Gebete am Krankenbett, vor allem mit kleineren Patienten, sind möglich. Die Innigkeit ihrer Wünsche sind mehr als rührend. Da wird auch der Hamster mit einbezogen und der böse Hund von der Nachbarin, der immer so wütend bellt. Aber auch die Sorge um die Eltern kommt zu Wort: „Sie sollen wegen mir nicht so traurig sein.“ 

Jugendliche stellen andere Fragen: „Glaubst du wirklich an Gott?“

„Gibt es die Hölle?“ „Diese Krankheit hat bestimmt der Teufel gemacht.“

„Ich habe ja einigen Mist gebaut – aber daß ich dann so bestraft werde!“

„Wie ist es, wenn man stirbt? Wo kommt man hin, wenn man tot ist?“

„Bei meiner Beerdigung soll es aber nicht so traurig sein!“

 

Besonders berührt hat mich vor einigen Monaten die Äußerung einer 11jährigen: „Wenn ich diese Krankheit nicht bekommen hätte, hätte ich dich nicht kennengelernt - und das wäre echt schade…“

Und die Bemerkung einer 16jährigen: „Am Anfang wußte ich ja nicht so recht, ob ich Sie in mein Zimmer lassen soll - aber jetzt bin ich doch richtig froh darüber!“

Mit beiden Mädchen habe ich bis heute Kontakt - sie sind gesund geworden.

 

 

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