0721/824673 20 •           Newsletter

Klinikseelsorgerin Beate Lessler-Raute mit Dekanstellvertreter Siegfried Weber

Foto und Gestaltung: Frank Bürger, Fundraisingbeauftragter Evangelische Kirche in Karlsruhe

 

Das Arbeitsmotto auf dem Flyer hier lautet: "Ein Herz für krebskranke Kinder"... Sollte man haben.

siehe hier

In der praktischen Arbeit der Seelsorge geht es allerdings mehr darum, das Herz der Kinder zu gewinnen. Ihr Vertrauen, ihre Zuneigung. Das ist leider nicht immer möglich, aber wenn, dann ist es ein sehr großes Geschenk und damit muss ich behutsam umgehen.

Beschreiben kann ich das vielleicht mit einer Strophe aus dem „Kindermutmachlied" - es steht auch im evang. Gesangbuch - die heißt: Gott sagt zu dir: Ich hab' dich lieb, und wär' so gern dein Freund! Und das, was du allein nicht schaffst, das schaffen wir vereint.

Die Freundlichkeit Gottes - die sollten wir eigentlich in der Seelsorge vermitteln. Auch die Verlässlichkeit und - schon bei Kindern - die Verschwiegenheit, wenn uns etwas Besonderes anvertraut wird.

Beim Spielen sagte mal ein kleiner Junge ganz unvermittelt zu mir: „Weißt du was? - Wenn ich sterbe, komme ich in den Himmel." Ich war überrascht, dass er das Thema „Sterben" ansprach, obwohl davon in seinem Fall nicht die Rede war. „Gut", meinte ich nur. „Und im Himmel sind schon viele andere Kinder", kam dann von ihm. Ich reagierte nur mit einem vorsichtigen „Aha?" wohl im Frageton, denn er schaute mich an und sagte vorwurfsvoll: „Das musst du doch wissen, du bist doch von da!"

Nun, mit einem Engel oder anderen Himmelsbewohner würde ich mich eher nicht vergleichen. Ich bin - in der Kinderklinik - „die Frau von der Kirche".

Und als solche bete ich ja auch für oder mit den Kindern.

Einmal wurde dies sogar explizit verlangt: „Wenn du von der Kirche bist, musst du auch mit mir beten!" „Was?" „Müde bin ich geh' zur Ruh'.". Nun war das kleine Mädchen aus dem Schwäbischen und möglicherweise hat dieses Gebet dort einen etwas anderen Wortlaut. Wir lagen jedenfalls im letzten Vers etwas auseinander - sprich, ich lag falsch. „Jetzt bist du von der Kirche und kannst nicht einmal richtig beten!" war daraufhin die Reaktion. Es wurde mir aber verziehen.

Wenn ich für Kinder bete, nenne ich das „Ich drücke die Daumen auf meine Weise" - nämlich mit gefalteten Händen. Und das kann beim Abendgebet manchmal lange dauern, weil es eben viele Kinder und Eltern gibt, die ich da zu nennen habe. Beim Besuch am Morgen wurde ich deshalb auch mit der Frage konfrontiert: „Wie lange hast du gestern gedrückt?!?"

Zur. Seelsorge in der Kinderklinik - zu den vertrauensbildenden Maßnahmen - gehört natürlich das Spielen, das Vorlesen, das Witze-Erzählen und sogar mal das DVD-oder Fernseh-Gucken. Nicht immer gleichen dabei die Vorlieben der Kinder und Jugendlichen den meinen. Trotzdem ist es spannend zu entdecken, was die Welt so alles zu bieten hat. Und wenn ich meine Unkenntnis zugebe, haben Kinder endlich mal einer Erwachsenen gegenüber einen Wissensvorsprung.

Ähnlich ist es mit dem Verlieren beim Spiel. Es tut dem Kind gut, wenn auch mal Erwachsene den Kürzeren ziehen, d.h. schwach sind!

Gerade in der Klinik verlieren Kinder doch selbst dauernd - ihre Selbständigkeit, ihre Entscheidungsfreiheit, alles, was ihnen sonst schon gelingen konnte und durfte, wird auf einmal in Frage gestellt. Aber zehnmal hintereinander beim UNO-Spielen gewinnen, das hilft ungemein. Und wenn die Seelsorgerin damit droht, sich deshalb beim Professor zu beschweren, wertet das die Person des kleinen Mitspielers doppelt auf. Denn da hat auch ein Professor keine Chance...

Bei Jugendlichen ist das Ankommen der Seelsorge oft nicht so einfach. Umso schöner, wenn mir eine 16jährige sagt: „Ich wollte Sie ja anfangs gar nicht reinlassen (ins Zimmer), aber jetzt bin ich doch richtig froh darüber." Das junge Mädchen schrieb Gedichte, zu einem hätte ich sie inspiriert, wie sie sagte Es heißt „Blicke nach oben" Und impliziert die immer wieder gestellte Frage nach dem „Warum" (- ich, gerade jetzt, gerade so und überhaupt....)          . .            . .

Ich zitiere ein paar Sätze aus Selinas Gedicht:     .

„Du lungerst rum und siehst nach oben und fragst: Warum sollte ich dich loben?

Dass ich mal wieder hier eingesperrt bin, ist das denn in deinem Sinn?

Und noch einmal, zu ihm gewandt: Ist es denn zu viel verlangt, so zu leben, wie andere es tun, statt sich im Krankenhaus auszuruhen? ...Doch trotz allem muss ich sagen: Danke für jedes geheilte Kind und für die Leute, die für mich da sind. Und dass ich überhaupt leben kann, das alles rechne ich dir hoch an."

Natürlich beschäftigen sich Jugendliche dieses Alters auch mit anderen Fragen an die Seelsorge: „Gibt es die Hölle? Glaubst du an den Teufel?" Okkultismus hat etwas Faszinierendes.

Ich kann solche Fragen nur so beantworten: „Ja, ich weiß, es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde als wir uns vorstellen können. Ich allerdings fahre am besten, wenn ich das Verborgene verborgen sein lasse und mich mit dem beschäftige, was anliegt - und da gibt es genug Dunkles und Schweres, aber auch ganz viel Schönes und Helles." Trotzdem können wir über solche Fragen diskutieren und herausfinden, warum das alles solche Angst macht.

Ein anderes Kinderlied - sehr passend für die Kinderklinik - heißt: Ein jeder kann kommen, für jeden machen wir die Türen auf... wir nehmen jeden auf.

Für jeden, der Angst hat, wohn wir gut Freund und gute Nachbarn sein, wir teilen die Ängste, geteilte Angst wird klein. Du musst dich nicht fürchten, denn Gott sagt, du, ich möchte bei dir sein, du darfst dich ruhig fürchten, doch du bist nicht allein.

Refrain: Alle Großen alle Kleinen, auch die ab und zu mal weinen, alle Starken, alle Schwachen, auch die alles dreckig machen, alle Dummen, alle Schlauen, auch die ab und zu mal hauen, alle Doofen, alle Neuen, auch die Dünnen und die Fetten - wer mitmachen will, hat bei uns Platz!

In diesem Sinne - wir freuen uns über alles, die nicht (in die Klinik) kommen müssen, aber wer kommt, ist willkommen!

 

Beate Lessie-Rauter

Evang. Klinikseelsorge

Städt. Klinikum, Moltkestr. 90

76133 Karlsruhe, Tel. 9741061

Impressum

Evangelisches Dekanat Karlsruhe
Dekan Dr. Thomas Schalla
Reinhold-Frank-Straße 48

76133 Karlsruhe

Tel 0721 / 82 46 73 – 20
Fax 0721 / 82 46 73 – 99
Email: dekanat@ev-kirche-ka.de
Internet: www.ev-kirche-ka.de

  Ausführliches Impressum