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Eröffnung der Glockenkampagne

von Christina Müller

Öffentlicher Glockenguss vor dem Karlsruher Schloss musste abgerochen werden

Am Freitag, 1. Dezember, eröffneten der evangelische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh und der frühere katholische Erzbischof Robert Zollitsch die bundesweite ökumenische Kampagne unter dem Motto "Hörst du nicht die Glocken?" mit einem ökumenischen Stundengebet Kirche St. Stephan. Der geplante öfffentliche Glockenguss vor dem Karlsruher Schloss musste jedoch abgebrochen werden.

Erzbischof em. Robert Zollitsch erinnerte in seinem Grußwort an die Geschichte der Glocken und ihre Botschaft. "Seit 1500 Jahren begleiten sie die Wege der Menschen in Europa. Sie erklingen nicht nur zu unseren Festen und zu wichtigen Ereignissen. Sie prägen unsere Kultur, laden ein zu Gottesdienst und Gebet, sie strukturierten über Jahrhunderte unseren Tagesablauf", sagte der emeritierte Erzbischof. Er verwies darauf, dass die Erzdiözese Freiburg vor fünf Jahren das Projekt einer "Glockendatenbank" gestartet habe. Heute zeigten mehr als 1000 Geläute die "großartige und reiche Glockenlandschaft" in der Erzdiözese Freiburg.

Der evangelische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh unterstrich die Bedeutung der Glocken als hilfreiche Unterbrechung des Alltags. Der Klang der Glocken erinnere daran, dass Gott den Menschen frei mache "zu beten und danach zu fragen, was mich trägt, wo ich eigentlich hin will, was wirklich zählt. Die Glocke sagt: Lass dich nicht total einspannen, halte regelmäßig inne, dadurch behältst du deine innere und auch deine äußere Freiheit", erklärte Cornelius-Bundschuh vor Pressevertretern nach dem ökumenischen Stundengebet. Überall, wo der Klang der Glocken zu hören ist, gelte: "Die Zeit wird uns geschenkt; sie ist uns von Gott anvertraut, um sie zu nutzen; sie hat Anfang und Ende." Die Glockenkampagne wolle an diese zentrale Botschaft erinnern.

Der öffentliche Glockenguss in der Dämmerung hätte der letzte Guss der traditionsreichen Glockengießerei Bachert in Karlsruhe sein sollen. Aufgrund technischer Probleme mit dem Schmelzofen konnte das geschmolzene Metall nicht die Temperatur erreichen, die notwendig gewesen wäre, um eine hochwertige Glocke herzustellen.

Mehrere Hundert Menschen waren gekommen, um das Spektakel zu sehen. Ein großer Bläserchor spielte Adventslieder, unterbrochen u. a. durch Filme über die Tradition des Glockengusses und eine Rezitation von Teilen aus Friedrich Schillers "Lied an die Glocke". Zuvor hatte die Firma Rosswag auf dem Schlossplatz den Klöppel für die Glocke geschmiedet.  Kommende Woche soll in den Räumen der Glockengießerei Bachert ein weiterer Versuch unternommen werden, die Glocke zu gießen.

Die Glocke mit einem Gewicht vom 130 Kilogramm und einem Durchmesser von 61 Zentimeter ist bestimmt für eine von zwei Gemeinden ökumenisch genutzte Kirche in Mannheim, der St. Pius- und Thomasgemeinde. Es ist der letzte Glockenguss der traditionsreichen Gießerei Bachert am Standort Karlsruhe. Diese zieht zum kommenden Jahr von Karlsruhe in die Region Sinsheim um; von ihr stammen u. a. die größte Glocke Baden-Württembergs in der Karlsruher Christuskirche sowie Glocken für den Hamburger Michel und die Dresdner Frauenkirche.

Die Kampagne unter dem Motto "Hörst Du nicht die Glocken" wurde in Baden entwickelt und ist jetzt eine gemeinsame Initiative der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Fotos: Tobias Tiltscher, Öffentlichkeitsarbeit, Katholische Kirche in Karlsruhe

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