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Sichtbare und spürbare Vielfalt, Stärkung der Kooperation 
und der neu zu entwickelnden kirchlichen Präsenz

von Christina Müller

Visitation im Stadtkirchenbezirk vom 12. bis 15. Oktober 2017

(Karlsruhe, 16. Oktober 2017) Alle sieben Jahre finden in den Kirchenbezirken der Evangelischen Landeskirche ein Baden Visitationen statt und vom 12. bis 15. Oktober wurde die Evangelische Kirche in Karlsruhe visitiert. Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh und die Visitationskommission informierten sich vor Ort, führten Gespräche mit der Kirchenleitung, Haupt- und Ehrenamtlichen und Verantwortlichen. Im Mittelpunkt stand die Frage nach der "Evangelischen Kirche in Karlsruhe im Jahr 2030".

Am Freitagvormittag besuchte die Visitationskommission den Kreativpark im Alten Schlachthof und traf dort junge Unternehmer, die ihre kreativen Ideen umsetzen und in die Stadt einbringen, was vor allem durch Vernetzung geschieht.

Beim Empfang im Anschluss im Albert-Schweitzer-Saal wurde deutlich, dass die Evangelische Kirche eine bedeutende Rolle in der Stadt hat.

Wolfram Jäger, Erster Bürgermeister der Stadt Karlsruhe, dankte in seinem Grußwort der Evangelischen Kirche in Karlsruhe dafür, "Kirche in der Stadt zu sein". Sehr vertrauensvoll werde zusammengearbeitet. "Den sozialen Bereich tragen wir gemeinsam: wir mit unseren städtischen Einrichtungen und die Evangelische Kirche durch ihr Diakonisches Werk", so Jäger. Er hob dabei besonders die evangelischen Kindertageseinrichtungen hervor sowie die Vesperkirche in der Johanniskirche.
Auch im Bereich Bildung und Musik sei die Kirche präsent und werde von einer interessierten Öffentlichkeit wahrgenommen. "Sie stehen vor der Aufgabe Ihr Profil zu schärfen, die Veränderungen in der Gesellschaft in Ihren Prozess einzubeziehen." Dass die Evangelische Kirche in Karlsruhe dabei die Stadt mit einbeziehe, dafür dankte Bürgermeister Jäger den Verantwortlichen ausdrücklich.

Hubert Streckert, der Dekan der Katholischen Kirche in Karlsruhe, machte in seiner Rede deutlich wie gut und eng die Kirchen in der Stadt zusammenarbeiten und dies auch sehr gerne tun. "In Sachen Ökumene stehen die Dinge sehr gut und wir wurden schon als 'Dream-Team' bezeichnet", freut sich Streckert. Auch Caritas und Diakonie seien sehr gut miteinander vernetzt, in der Klinikseelsorge und den Beratungsstellen werde in ökumenischen Teams zusammengearbeitet. Er wies auf den ökumenischen Kirchenstand auf der Verbrauchermesse offerta hin, der in den Herbstferien wieder besucht werden kann, und blickt gerne zurück auf den ökumenischen Gottesdienst zum Abschluss der Heimattage, die 'Kirchenzeitung', die dreimal im Jahr als Beilage in den Badischen Neuesten Nachrichten (BNN) erscheint und gemeinsam geplant und produziert wird und vieles mehr. Und auch die Katholische Kirche visitiere ihre Gemeinden und Kirchenbezirke, noch etwas, was sie miteinander verbinde, machte Streckert deutlich.

Über "Kirche in der Stadt" referierte der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Baden, Jochen Cornelius-Bundschuh, im Anschluss an die beiden Grußworte. "Kirche hat für diejenigen da zu sein, die arm sind, die krank, sind", so der Bischof. Die Frage sei, wie das gelingt und gelingen kann. Kirche lebe aus  Gottvertrauen und es sei wichtig dies in die Kommune und in die Zivilgesellschaft einzubringen. "Wir haben die Aufgabe zu sehen, wie sich das in der Zivilgesellschaft umsetzt, beispielsweise in den Fragen: Wie viel Sonntag brauchen wir und wie gehen wir mit den Menschen um, die Hilfe brauchen?" Die Kirche trage Verantwortung für die Menschen und niemand aus unserer Stadt dürfe aus dieser Verantwortung entlassen werden: Alte, Sterbende, Arme und Kinder. Die Würde des Einzelnen stehe dabei im Mittelpunkt und dies werde bereits an vielen Orten gelebt: in der Karlsruher Vesperkirche, dem Religionsunterricht, der auch inklusiv stattfinde, den Angeboten des Diakonischen Werks und mehr. Wichtig sei es auch dafür zu sorgen, dass die Menschen über ihren Glauben sprechen können und das mache der Religionsunterricht möglich und die Angebote der Erwachsenenbildung, "Wir sind in einer Gesellschaft unterwegs, die sehr selektiv ist und wir müssen dem entgegenwirken und Menschen Mut machen, die einsam sind, Angst haben", appellierte Cornelius-Bundschuh. "Wir können und wollen Akzente setzen, in dieser Stadt und dazu müssen wir mit den Menschen hier kooperieren." Wichtig sei dabei gute Zusammenarbeit in den Regionen des Stadtkirchenbezirks, die gebildet wurden.

Für den Dekan der Evangelischen Kirche in Karlsruhe, Thomas Schalla, ist die Visitation wichtig. "Es ist sehr wertvoll einen Blick von außen auf unsere Arbeit zu werfen", so Schalla. In den drei Tagen gebe es viele Begegnungsmöglichkeiten hier in der Stadt und es stelle sich die Frage wie wir dies besser nutzen können. Mit der Sitzung der Stadtsynode am Abend beginne der Leitbildprozess für die Evangelische Kirche in Karlsruhe. "Wenn wir nahe bei den Menschen sein wollen, müssen wir sehen was sie umtreibt", machte der Dekan deutlich.

Am Freitagabend nahmen mehr als 200 Menschen an der Sitzung der Stadtsynode teil. "Es ist gut, dass so viele hier sind, denn wir beginnen heute unseren Leitbildprozess", sagte die Vorsitzende Stadtsynode, Jutta Scheele-Schäfer, zu Beginn. "Wir wollen uns auf die Zukunft einstellen, Visionen dafür entwickeln, die Perspektive wechseln, hören, nachdenken und miteinander ins Gespräch kommen", erklärte sie.

Diese Überlegungen begannen mit einem Talk, an dem der Oberbürgermeister der Stadt Karlsruhe, Frank Mentrup, Daniel Melchien, Vorsitzender der Jusos Karlsruhe, Catherine Devaux, amnesty international, der Dekan der Katholischen Kirche in Karlsruhe, Hubert Streckert, Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh und Christiane Riedel. Geschäftsfphrerin des Zentrum für Kunst- und Medientechnologie (ZKM), teilnahmen. Uli Sambeth, Unternehmensberater und Coach moderierte das Gespräch und nahm Fragen der Anwesenden sowie die Impulse der Talkgäste auf.

Für Frank Mentrup ist der Impuls für die Zukunft "das Bewährte erkennen und schätzen lernen und sich auf das Neue freuen". Kirche sei ein wesentlicher Bestandteil der Gesellschaft und es gehe darum, dass die Stadt, die Kirchen und andere Einrichtungen Verantwortung übernehmen. "Sind wir darauf eingestellt neue Leute anzusprechen und wie gehen wir auf sie zu?", stellte Mentrup die Frage und wies dabei daraufhin, dass Karlsruhe eine wachsende Stadt sei und im Jahr 2035 ungefähr 350.00 Menschen hier leben werden, was Herausforderungen mit sich bringe, wie höherer Bedarf an Wohnraum, Kita-Plätzen und Schulen. "Wir werden hier noch enger zusammenleben", machte der Oberbürgermeister deutlich.

Für Catherine Devaux von amnesty international ist bereits erkennbar, dass die Gesellschaft "bunter wird und durch diese Vielfalt auch das Engagement  individueller wird." Das zeige sich durch die Zuwanderer und Flüchtlinge, die jetzt hier leben. Sie fände es schön, wenn sich Kirche überall zeigen würde und ihr ist es wichtig, "auch darüber zu sprechen was nicht läuft". Sie wünsche sich dass im Jahr 2030 alle Karlsruhe als ihre Heimat begreifen.

Für Hubert Streckert geht es in der Zukunft nur im ökumenischen Miteinander und durch den intensiven interreligiösen Dialog. Für ihn ist ein ökumenischer Neustart im Citypastoral nötig. "Es ist wichtig dass wir auffindbar sind, so wie im "kirchenfenster" neben St. Stephan, dem "senfkOrn" in der Südstadt oder in der Stadtkirche mit ihrem Bilsungs- und Kulturangebot "Wir müssen mutiger sein und es darf auch sein dass mal etwas scheitert", betonte Streckert. Es sei vor allem wichtig, dass Kirche gastfreundlich ist.

Auf die Digitalisierung und damit verbundene "gewaltige Medienrevolution, in der wir uns befinden", ging Christiane Riedel, Geschäftsführerin, vom Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) ein. Während der Buchdruck vor 500 Jahren die Medienrevolution gewesen sei, seien es heute das Word Wide Web, die sozialen Medien, wie facebook, Twitter, instagram und mehr. "Wir befinden uns im postfaktischen Zeitalter. Infos werden schneller verbreitet, sind teilweise ungefiltert wenn sie den öffentlichen Raum erreichen." Die damit verbundenen Gefahren wie fake-News, Cyber-Mobbing und Hacker-Communitys bekämen die Menschen dadurch deutlich zu spüren.

Im Anschluss an den Talk kamen die Teilnehmer an Tischen miteinander ins Gespräch, zu den Themen Kultur, Zivilgesellschaft und Engagement, digitaler Wandel, Flucht, Migration, Integration, Kirche/Religionen in der Stadt und eigene Themen. Die Ergebnisse wurden zum Ende der Sitzung präsentiert.

Am Samstag, 14. Oktober trafen sich der Stadtkirchenrat der Evangelischen Kirche in Karlsruhe und die Visitationskommission zu einer abschließenden Sitzung, in der die Zielvereinbarungen für die zukünftige Arbeit formuliert wurden.

Dies sind die Zielvereinbarungen

Im Rahmen der Bezirksvisitation ist deutlich geworden, dass die Evangelische Kirche in Karlsruhe ein lebendiger
Teil der Stadt ist. Sie wirkt in die Stadtöffentlichkeit hinein, insbesondere mit ihren Gottesdiensten,
durch Amtshandlungen wie Taufen, Trauungen und Beerdigungen, durch ihr diakonisches, kirchenmusikalisches
und sonstiges kulturelles Engagement, durch die Seelsorge in Krankenhäusern und Beratungsstellen
sowie ihre Bildungsarbeit in Kindertageseinrichtungen, Schule und Gemeinde. In der Vielfalt
ihrer Angebote vermittelt die Kirche die frohe Botschaft von Jesus Christus.

1. Wir erarbeiten in den kommenden zwei Jahren eine Konzeption zur Stärkung und Bündelung der vorhandenen und neu zu entwickelnden kirchlichen Präsenz für 20- bis 30-Jährige.


2. Wir wirken vor allem in Visitationen darauf hin, dass die Gottesdienste in den Gemeinden unserer Regionen stärker profiliert werden. So ist klar, welches Gottesdienstangebot an welchem kirchlichen Ort zu welcher Zeit stattfindet.


3. Bis Ende 2019 entwickeln wir unser Citykirchen-Konzept weiter, um als christliche Kirchen in ökumenischer Verantwortung in der Stadt gemeinsam sichtbar und verlässlich erreichbar zu sein.


4. Kirche wird in besonderer Weise in der Vielfalt diakonischen Engagements in Karlsruhe (Diakonisches Werk, freie Träger, Gemeindediakonie) sichtbar. In den Prozessen der Gebäudeoptimierung, der Regionalisierung und Profilierung von Kirche in der Stadt werden Kooperationen und gemeinsame Projekte initiiert. Es gibt in jeder Region bis 2025 eine Kooperation zwischen Diakonie und Gemeinde.


5. Wir leben in der Vielfalt unserer kirchlichen Orte und stärken unsere Kooperation in den Regionen und in der Stadt. Wir optimieren unsere Strukturen im Blick auf die Nähe zu den Menschen, die Zusammenarbeit von Dienstgruppen, die Erreichbarkeit und die Entlastung von Gremien. Bis zu den Ältestenwahlen 2025 ist geklärt, in welcher rechtlichen Ausgestaltung die Kooperationsregionen arbeiten werden.



Landesbischof Prof. Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh, Evangelische Landeskirche in Baden; Hubert Streckert, Dekan der Katholischen Kirche in Karlsruhe; Dekan Dr. Thomas Schalla, Evangelische Kirche in Karlsruhe und Wolfram Jäger, Erster Bürgermeister der Stadt Karlsruhe sprachen beim Empfang im Albert-Schweitzer-Saal am Freitag, 13. Oktober über die Herausforderungen für die Evangelische Kirche und die Stadt in der heutigen Zeit und für die nächsten Jahre und Jahrzehnte.

"Es ist sehr wertvoll einen Blick von außen auf unsere Arbeit zu werfen wie das bei der Visitaion geschieht", sagte der Dekan der Evangelischen Kirche in Karlsruhe, Dr. Thomas Schalla.

"Die Kirche trägt Verantwortung für die Menschen und niemand aus unserer Stadt darf aus dieser Verantwortung entlassen werden: Alte, Sterbende, Arme und Kinder", machte Prof. Dr. Jochen Cornelius Bunschuh, Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Karlsruhe in seiner Rede beim Empfang deutlich.

Für den Oberbürgermeister der Stadt Karlsruhe, Dr. Frank Mentrup, ist der Impuls für die Zukunft das Bewährte zu erkennen und schätzen lernen und sich auf das Neue zu freuen, wie er am Freitagebend bei der Sitzung der Stadtsynode erklärte

In Arbeitsgruppen tauschten sich die Teilnehmer über die Themen Kultur, Zivilgesellschaft und Engagement, digitaler Wandel, Flucht, Migration, Integration, Kirche/Religionen in der Stadt und eigene Themen aus

und hielten die Ergebnisse ihrer Arbeit fest

Zum Ende der Synodensitzung wurden diese präsentiert und die Ergebnisse erläutert

Text: Christina Müller, Öffentlichkeitsarbeit, Evangelische Kirche in Karlsruhe
Fotos: Christina Müller und Thomas Schalla

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