0721/824673 20 •           Newsletter

Die Prediger haben Antworten parat, auf die Frage nach dem Weltuntergang...

von Christina Müller

Beim Preacher-Slam am Freitag, 14. Juli auf dem Durlacher Turmberg

(Karlsruhe, 18. Juli 2017) Der Durlacher Turmberg ist ein bekannter und beliebter Ort, mit Blick auf die Stadt und, bei klarem Wetter, bis in die Pfalz. Am vergangenen Freitag fand auf der Terrasse des Turmbergs zum ersten Mal ein Preacher-Slam statt, eine Veranstaltung, zu der die Evangelische Kirche in Karlsruhe im Rahmen des Reformationsjubiläums eingeladen hatte. "Bekannt sind Sciene-Slams, Diary-Slams und Poetry-Slams", erklärte Anne Helene Kratzert, Pfarrerin in Palmbach-Stupferich den rund 200 Besuchern zu Beginn. Es gehe um Texte, die unterhaltsam, frisch, gesellig und kreativ sind und es gebe an diesem Abend geistliche Texte zu hören, führte sie fort. Gemeinsam mit Pfarrer Thomas Abraham, Stadtkirchen-Gemeinde Durlach, hat sie den Preacher-Slam vorbereitet und Karlsruher Promis dazu eingeladen. "Was wir predigen, gehört an die Öffentlichkeit und dieser Ort ist wunderbar dafür, hier können wir es an die Stadt richten", machte Abraham deutlich. "Jeder hat sieben bis acht Minuten Predigtzeit und zum Schluss stimmt das Publikum ab und es gibt einen Gewinner", machte Johannes Stier, Moderator beim Südwestrundfunk (SWR) deutlich, der durch den Abend führte. Das launige Zitat vom Reformator Martin Luther "Wenn heute die Welt unterginge, würde ich heute noch hingehen..." sei das Motto des Preacher-Slams und beziehe sich auf den Spruch, der dem Reformator zugeteilt wird: "Wenn ich wüsste, dass heute die Welt unterginge, würde ich heute ein Apfelbäumchen pflanzen". Ob Luther dies gesagt hat, sei jedoch nicht bewiesen, erklärte der Moderator.
 
Die erste Predigt hielt Claus Temps, Leiter des Kulturbüros der Stadt Karlsruhe. Er selbst habe als Sechsjähriger Pfarrer werden wollen, später dann Jura studiert und sich dem Singen zugewandt. "Wenn die Welt unterginge..., der Halbsatz hat es in sich", erklärte Temps. Ob er ein Apfelbäumchen pflanzen würde?, stellte er die Frage. Es sei pure Zuversicht und Glaube daran, auch wenn das Glas nur halb voll sei, machte er deutlich. "Der Psalmbeter David hat angefangen zu singen als er auf seine Feinde traf und er singt weiter, egal, wie es mit ihnen ausgeht." Das sei mutig und er singe ebenfalls ganz überzeugt "Jesu, meine Freude", den Choral von Johann Sebastian Bach. "Wenn heute die Welt unterginge..., ich würde singen und ich bin mir sicher, ich täte viele wären dabei, auch Martin Luther selbst, nachdem er sein Apfelbäumchen gepflanzt hätte", schloss Claus Temps seine Predigt.
 
Anastasia August, Mathematikerin am KIT in Karlsruhe, führte die Zuhörer auf sehr unterhaltsame, temperamentvolle Art und Weise an das Thema heran. Blitzschnell packte sie viele Gedanken und Schlussfolgerungen in ihre siebenminütige Predigt. "Ich versuche in allem etwas Positives zu sehen, zum Beispiel: wenn eine Tasse herunterfällt, sage ich: Jetzt ist Platz im Schrank", sagte sie und brachte die Zuhörer zum ersten Mal zum Lachen. Bezogen auf "wenn die Welt unterginge..." werde ihr deutlich, dass sie dankbar ist, für das Leben, das sie führen darf: Freunde, Familie, Gott, so die promovierte Wissenschaftlerin. "Man schert sich nicht um morgen, weil es sich nicht lohnt, man ist frei von Sorgen und Zwängen, weil die Welt ja morgen untergeht. Einbrechen, lohnt sich nicht, essen, lohnt sich nicht, Liebe, lohnt sich nicht." Gedanken um die Zukunft brauche man sich nicht mehr zu machen. "Warum leben wir eigentlich nicht als wäre der heutige Tag der letzte; wir könnten ein Paradies erleben", schlussfolgerte sie. Mit einem Appell im Jetzt und Hier zu sein und zu leben und zu versuchen die (Mit)Menschen immer mit Liebe zu verabschieden, als wäre es der letzte Tag, an dem man sie sieht, schloss sie ihre Predigt beendete sie mit "Amen".
 
 Jan Linders, Chefdramaturg beim Badischen Staatstheater in Karlsruhe, bezog das Publikum in seine Predigt mit ein. "'Alles wandelt sich' von Bertolt Brecht, das ist mein Lieblingsgedicht", so Linders. Und er sei immer dafür Dinge neu anzufangen. "Ich will heute mit Ihnen Apfelbäume pflanzen", forderte er auf und verteilte dazu Zettel mit Fragen an die Zuhörer. "Warum habe ich immer Recht?", "Wem nützt der Mond?", "Hilft Leichtsinn gegen Schwermut?", diese Fragen könne man sich stellen, auch wenn man wisse, dass es morgen vorbei ist. Und er appellierte, es trotz scheitern immer wieder neu zu versuchen. Und dazu zitierte er dem irischen Schriftsteller Samuel Beckett: "Immer versucht. Immer gescheitert. Einerlei. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern."
 
Thilo Kirner ist Pastor in der Agape-Gemeinde, hat also bereits viel Erfahrung mit dem predigen. Mit sächsischem Dialekt sprach er zu den Anwesenden. "Ich habe keine Zeit für den Weltuntergang, habe Stress, denn ich will alles ordentlich hinterlassen", begann er. Es gebe noch so vieles, das in Ordnung gebracht werden müsste und so viele zu genießen, mit den Menschen, die uns wichtig sind. "Es begann mit einem Paradies das Gott uns überließ. Es wäre nicht das Ende sondern eine Wende, zum Guten", sendete er seine Botschaft in Reimform und schloss auch so. "Ich muss jeden Tag so leben, als wäre es mein letzter und ich fange damit an und bin mir sicher, dass das jeder kann."
 
Einige Jahre in seiner Kindheit hat Joachim Faber auf der Schwäbischen Alb gelebt und dass er prima schwäbisch sprechen kann, bewies der Leiter der Evangelischen Erwachsenenbildung Karlsruhe in seiner Predigt. Faber's Protagonist, ein bodenständiger Mensch, mit viel Lebenserfahrung, hat Martin Luther gelesen, von dem Apfelbäumchen und dem Weltuntergang, vor dem er sich zwar fürchtet aber bereits, wie das die Schwaben tun, vorgesorgt hat. Auf seinen Äckern und Wiesen sind Apfelbaumplantagen, die ihm durch die reiche Ernte viele "Moschtfässlen" im Keller eingebracht haben, die seine Hoffnung ausdrücken. Der Prediger ist klug und belesen, kennt Geschichten aus der Bibel: vom Hirtenjungen David, der den Riesen Goliath besiegt und Noah, der von Gott mit seiner Familie und den Tieren in der Arche gerettet wird. Dies alles macht deutlich, dass es Hoffnung gibt. Und er ist sich sicher, dass unser Planet noch lange halten wird, auch wenn dauernd Welten untergehen, und seine auch, wie er betont.
 
Studentin Hannah Beckemeier, sprach ebenfalls in Reimform zum Publikum. "Wenn die Welt untergeht, wenn sie Kopf steht, dann erfinde ich die Welt ganz einfach bei, dass ich mich daran freu und bleib mir selbst dabei treu", war der Satz, der die Bilanz bei allen Themen war: Mathe lernen im Studium, Noten, Weltreisen, Geld, eine Diät machen, alles Aspekte, die in gewissen Situationen das Ende der Welt bedeuten könnten. Aber sie hat ja für sich die Lösung des "Problems": sie erfindet die Welt dann ganz einfach neu, dass sie sich daran.....
 
Frank Wallenta ist Bundesanwalt und dichtet nach eigener Aussage gerne, zum Beispiel wenn er nicht schlafen kann. Seine Predigt hielt auch er in Reimform und nahm die Worte von Udo Lindenberg's "Hinterm Horizont geht's weiter", zur Grundlage. "Die Zeit, die rennt und du stehst am Rand des Lebens und suchst vergebens", stellte er fest. Das gehe den Menschen so wenn sie sich mit wichtigen Themen, wie Höhergruppierung, auseinandersetzen aber auch mit trivialen Dingen wie den Papierkorb zu leeren. Havarie und Weltuntergang beschäftigten den Menschen schon immer und hier spielten die Sterne und der Mond eine wichtige Rolle, und auch Geister. Auch Udo Lindenberg mache in und mit seinem Lied deutlich, dass er an einen Neubeginn glaube, denn es gehe weiter, hinter dem Horizont. Wenn er ein Tropfen, der an einem Blatt hängt, sehe und ihm der Duft von Heu in die Nase steige spüre er dies und feiner Regen sei ein Segen. Auch Wallenta schließt seine Predigt mit "Amen".
 
Nach einer kurzen Pause war dann das Publikum aufgefordert abzustimmen. Wer hat den Preacher-Slam auf dem Turmberg gewonnen? Nach dem Auszählen der Stimmkärtchen stand die Gewinnerin Fest: Anastasia August, die Mathematikerin, die im Übrigen schon einige Male an Science-Slams teilgenommen, und gewonnen hat.
 
Ein "Predigt-Honorar" bekam jeder und jede am Ende des Abends: ein Apfelbäumchen, zum mit nach Hause nehmen.
 
Ihren Dank richteten Anne Helene Kratzert und Thomas Abraham an die Durlacher Ortsvorsteherin Alexandra Ries, die die Idee des Preacher-Slams auf der Terrasse des Turmbergs unterstützt hat und die Schirmherrin der Veranstaltung war.
 
 
Hinweis: Fotograf Paul Needham hat beim Preacher-Slam fotografiert. Seine Bilder sind auf der Homepage von ka-news zu sehen

Pfarrerin Anne-Helene Kratzert und Pfarrer Thomas Abraham haben den Preacher-Slam auf dem Durlacher Turmberg vorbereitet, zu dem die Evangelische Kirche in Karlsruhe im Rahmen des Reformationsjubiläums eingeladen hat. Alexandra Ries, Ortsvorsteherin von Durlach, war Schirmherrin der Veranstaltung.

 

Wunderbarer Blick auf die Stadt bei Sonnenschein. Rund 200 Zuhörinnerinnen und Zuhörer hatten auf der Terrasse des Turmberg Platz genommen um die Predigten zu hören. Johann Christoph Haake, E-Piano und Brigitte Graf, Saxophon, unterhielten die Anwesenden mit guter Musik.

SWR-Moderator Johannes Stier moderierte den Abend.

Alle Predigerinnen und Prediger, vor der Abstimmung.

Sie ist die Gewinnerin des Preacher-Slam: Anastasia August, promovierte Mathematikerin am KIT in Karlsruhe.

 

Bericht und Fotos: Christina Müller, Öffentlichkeitsarbeit, Evangelische Kirche in Karlsruhe

Zurück

Impressum

Evangelisches Dekanat Karlsruhe
Dekan Dr. Thomas Schalla
Reinhold-Frank-Straße 48

76133 Karlsruhe

Tel 0721 / 82 46 73 – 20
Fax 0721 / 82 46 73 – 99
Email: dekanat@ev-kirche-ka.de
Internet: www.ev-kirche-ka.de

  Ausführliches Impressum