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Stellungnahme der Stadtdekane in Karlsruhe zur Ausnahmegenehmigung zum Tanzverbot an Karfreitag 2019

von Christina Müller

Tanzen für die Freiheit?

Stellungnahme der Stadtdekane in Karlsruhe zur Ausnahmegenehmigung zum Tanzverbot an Karfreitag 2019


Tanzen für die Freiheit?

Der "Arbeitskreis Kultur und Kommunikation" hat für den Karfreitag, 19. April 2019 eine öffentliche Tanzveranstaltung auf dem Platz der Grundrechte angemeldet. Das Ordnungsamt unserer Stadt hat diesem Antrag stattgegeben. Mit Hinweis auf die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts soll sichergestellt werden, dass das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit nicht durch die Regelungen des Sonntags- und Feiertagsschutzes unzulässig eingeschränkt werden.

Der Kern christlichen Glaubens ist die Hoffnung darauf, dass Gott den Tod besiegt hat. An Ostern feiern wir die Auferstehung Jesu Christi. Christen sind deshalb vergnügte und befreite Menschen – zum Tanzen haben wir Grund genug. Ostern ist unser größtes Fest!

Karfreitag ist ein stiller Feiertag in Deutschland. Stille Feiertage sind ein Teil unserer Kultur und insbesondere Karfreitag ist für die christlichen Kirchen mit der Erinnerung an Leiden und Sterben Christi auch verbunden mit der Erinnerung an Leiden und Sterben der Menschen zu allen Zeiten. Es ist ein stiller Tag: verbunden mit Einkehr, Erinnerung, Gottesdiensten, Begegnungen. Wir feiern auch gerne – auch an Karfreitag aber in besonderer Weise.

Die angemeldete Tanzveranstaltung ist ein Schlag ins Gesicht vieler Christen – wir protestieren nachdrücklich dagegen. Sie untergräbt auch die Werte und Grundlagen, auf denen der "Arbeitskreis" selbst steht. Auch die Menschenwürde ist ein Konzept, dessen Wurzeln im christlichen Menschenbild liegen. Auch das Recht auf Demonstrationsfreiheit gründet darin. Eine Gesellschaft braucht solche gemeinsam geteilte Werte. Sie braucht auch gemeinsam geteilte Ruhezeiten für die Begegnung und die seelische Erbauung. Das hilft Christen und Atheisten gleichermaßen. Das Grundgesetz und die Regelungen des Feiertagsgesetztes wissen darum. Wir feiern auch diese Errungenschaften im Jahr des 70jährigen Jubiläums unserer Verfassung.

Die Tanzveranstaltung an Karfreitag ist eine gezielte Provokation – ausgerechnet auf dem "Platz der Grundrechte" und in Hör- und Sichtweite der Kirchen. Kommunikation und Kultur haben aber wesentlich mit gegenseitigem Respekt zu tun. Wir brauchen in einer multikulturellen Welt den Dialog darüber, welche Regeln und welche Werte für unser Gemeinwesen gelten sollen. Das dafür notwendige Gespräch zwischen Kirchen, Religionsgemeinschaften und nichtreligiösen Mitbürgern wird durch den "Arbeitskreis Kultur und Kommunikation" nicht gefördert, sondern behindert.

Die Entscheidung des Ordnungsamtes ist ein falsches Signal. Es wäre der Zivilgesellschaft unserer Stadt zu wünschen, dass damit nicht einer Entwicklung Vorschub geleistet wird, durch die  Einzelinteressen die Deutungshoheit über das Gemeinwohl erhalten.

Hubert Streckert
Dekan des katholischen Dekanats Karlsruhe

Dr. Thomas Schalla
Dekan der evangelischen Kirche in Karlsruhe

Mittwoch, 17. April 2019

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